Im Geist Don Boscos - Leben im Sale

Glasfenster in der Hauskapelle

"Es reicht nicht, dass ihr die Jugendlichen liebt, sie müssen es auch spüren" (Don Bosco)

Zur Pädagogik Don Boscos im Sale

Schaut man genauer auf das Salesianum, entdeckt man ein gewisses Ambiente, das den feinen Unterschied ausmacht. Viele, die einige Zeit im Sale verbracht haben, können dies bestätigen: In diesen Mauern ist der Geist Don Boscos spürbar.

Den eingangs zitierten Ausspruch Don Boscos nehmen sich die Salesianer Don Boscos in der Hagenmüllergasse als Leitlinie: "Wir versuchen, Antworten auf die Lebensrealitäten der jungen Erwachsenen von heute zu finden", meint Direktor Pater Petrus Obermüller. Was aber macht nun das Besondere des Sale aus? Wie sieht die Umsetzung der Ideen Don Boscos in einem Studentenheim in Wien 2010 aus? Wie wird versucht, die jungen Menschen zu erreichen?

Die vier Säulen der salesianischen Pädagogik können hierauf eine Antwort geben. Don Bosco selbst meinte, was junge Menschen bräuchten, sei ein Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen ("Haus"), etwas lernen können ("Schule"), an dem sie ihre Freizeit genießen dürfen (Spielhof") und wo ihnen auch gewisse Werthaltungen vermittelt werden ("Kirche"). Jeder dieser vier Komponenten versucht man im Studentenheim gerecht zu werden:

Haus

Im Salesianum wird Gemeinschaft spürbar. Auf den Stockküchen, die von jeweils circa 20 Studierenden gemeinsam benutzt werden, in der Kellerbar oder beim gemeinsamen Fußballtraining im Hof - der Zusammenhalt steht im Mittelpunkt. Die Ein- oder Zweibettzimmer sind zweckmäßig ausgestattet, gemütlich und preiswert. Diese Mischung wird von den Studentinnen und Studenten sehr geschätzt. Auch die Präsenz der Salesianer Don Boscos verleiht dem Haus eine sehr persönliche Note. Sei es, dass man um 22 Uhr noch schnell den Schlüssel zum Fitnessraum braucht, oder einfach nur mit jemandem ein paar Worte wechseln möchte - hier findet man immer ein offenes Ohr.

Spielplatz

Da auch die Studienjahre bekanntlich nicht nur aus Lernen bestehen, bietet das Sale vielfältige Möglichkeiten, die Freizeit zu genießen. Musikproberäume, ein großer Sportplatz, eine Dachterrasse, die Kellerbar und ein Fitnessraum stehen zur Verfügung. Und was wäre das Sale ohne die für ihre Gemütlichkeit bekannten "Festln"! Sei es zum "Volksmusikabend" oder zum traditionellen Heimfest - der Einladung des "Festlteams", einer Gruppe engagierter Studierender, wird gern und zahlreich gefolgt. In diesem Rahmen wird auch erfahrbar, was es heißt, einen Dienst an der Gemeinschaft und somit Verantwortung zu übernehmen, und welche Bereicherung dies auch für das eigene Leben darstellen kann.

Schule

"Nicht für die Schule, sonder für das Leben lernen wir" - dieser geflügelte Spruch ist wohl jedem ein Begriff. Im Salesianum wird einem vor Augen geführt, was damit gemeint ist: Neben dem Lernen fürs Studium wird dem "sozialen Lernen" ein sehr hoher Stellenwert beigemessen. Im Haus gibt es viele Möglichkeiten sich zu engagieren. Eine davon ist das "Sale für Alle". Jugendliche als Protagonisten, das war schon Don Boscos Idee. Er merkte, wie wichtig es ist, jungen Menschen etwas zuzutrauen und sie auf diesem Weg zu begleiten.

Kirche

Mit und unter den jungen Menschen Zeit zu verbringen ist Ausdruck einer Wertschätzung ihnen gegenüber. Jesus Christus hat das Leben der Menschen geteilt und hat dadurch die Liebe Gottes sichtbar und erfahrbar gemacht. Die Menschen haben gespürt, dass die Botschaft von der Liebe Gottes kein leeres Wort ist. Es braucht glaubwürdige Zeugen dieser frohen Botschaft.

Don Bosco hat mit großer Leidenschaft und dem Einsatz seines Lebens Christus als die Erfüllung des Lebens verkündet. Und Don Bosco hatte bei der Jugend nur Erfolg, weil er dabei froh war. Junge Menschen spüren sehr wohl, ob der Glaube das Leben erfüllt und wünschen sich glaubwürdige Vorbilder. Sie sind auf der Suche nach gelingenden Lebensmodellen, die das Leben wirklich froh machen. Selten lesen Jugendliche die Bibel. Aber überzeugte Christen machen den Glauben spürbar. Glaube ist dann wie ein Feuer, das von innen her brennt und dann andere anstecken kann. Wo diese Freude, die ihren Ursprung in Christus hat, geteilt wird, wird Kirche im Kleinen lebendig.

Es braucht eine Gruppe von Gleichgesinnten, damit Kirche in einer säkularisierten Gesellschaft eine erfahrbare Wirklichkeit wird. Diese kleinen Gruppen gibt es im Salesianum.

(Magdalena Jetschgo / P. Petrus Obermüller, in: 100 Jahre Salesianum, Festschrift 2010)